Acht Monate lang wirklich Neues lernen; vier Fachgebiete in der Prüfung; augenscheinlich mehr Wissen, als in einen normal veranlagten Menschenkopf passt; drei Tage Prüfungsstress. Am Ende: große Erleichterung, gekrönt von einer großen Feier.
Ein bisschen Jäger und Sammler steckt doch entwicklungshistorisch in jedem von uns. Und bei manchen ist das Interesse an Natur, Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Jagd so stark ausgeprägt, dass wir uns entscheiden, dieses Thema zu vertiefen und den “Jagdschein zu machen” und das nicht in einem dreiwöchigen Lehrgang (Stichwort: Lernen für die Prüfung), sondern bei einer Jägerschaft, einer Ausbildungsstätte, die uns acht Monate begleitet, Wissen vermittelt und vertieft, mit 15 ehrenamtlichen Experten in den unterschiedlichen Fachgebieten.
Im September letzten Jahres habe ich mich, getrieben von Wissendurst nach heimischer Natur, gemeinsam mit fast 60 Jagdscheinanwärtern und Jagdscheinanwärterinnen aller Altersstufen, auf die Reise “Jagdschein” begeben. Die Hälfte von uns im Abendkurs, die andere Hälfte im Wochenendkurs, lernen wir die einzelnen Themen: Haarwild, Federwild, Recht, Waffenkunde, Naturschutz, Greifvögel und vieles mehr. Der eigentliche Lerninhalt wird dabei stets begleitet von jagdlichen Erzählungen und Erfahrungen, die die Ausbilder mit den Kursteilnehmern gerne teilen. Langweilig wird es dabei jedenfalls nie, durchaus aber anspruchsvoll und umfangreich!
Neben den regulären Unterrichtseinheiten treffen wir uns zu diversen Exkursionen, in der Natur, im Wald oder auch im Wildgehege. Wer dabei ein Wildtier entdeckt, kann dieses nun auch zuordnen, gerne wird diskutiert, ob und woran man nun das Eine oder das Andere erkannt hat. Bäume und Hecken sind nicht mehr nur grüne Wegbegleiter, wir angehenden Jäger können in der sprießenden Natur im Frühjahr fast alle heimischen Pflanzen erkennen und haben es gelernt, die Natur anders – bewusster – wahrzunehmen und das Leben zu beobachten. Bei dem umfassenden Lernstoff stellt sich ein gewisser Leidensdruck ein, es entstehen Lerngruppen und echte Freundschaften – verbringen die meisten von uns doch inzwischen jede freie Minute mit jagdlichem Kontext.
Mit der Rapsblüte kommt auch der Prüfungstermin (immer Ende April) in greifbare Nähe. Wir bereiten uns auf drei Prüfungen an drei Tagen vor: schriftliche Prüfung, Schießprüfung und mündlich Prüfung. Ich erlebe einen Prüfungsstress, den ich seit meinem Studium vor über 20 Jahren nicht mehr kenne. Gibt es doch immer wieder etwas zu lernen oder eine Erkenntnis, die ich vorher noch nicht hatte. Es stellt sich ein Bewusstsein dafür ein, dass man einfach nicht alles wissen kann, was in den letzten acht Monaten gelehrt wurde. Aber gleichzeitig gewinne ich die Überzeugung, so tief in die Materie Jagd eingedrungen zu sein, dass ich einer Überprüfung meines jagdlichen Wissens voller Überzeugung entgegentreten kann. Bei allem Wissen darf man aber die Schießprüfung nicht außer Acht lassen. Laufender Keiler, Rehbockscheibe und Trap-Schießen sind die drei sehr unterschiedlichen Disziplinen, wobei jeder von uns seine eigene Lieblingsdisziplin und auch Herausforderung hat. Grade diese Prüfung zehrt an meinen Nerven mehr, als ich es mir jemals hätte vorstellen können und verläuft für mich völlig anders als erwartet … aber erfolgreich.
Nun stehe ich hier auf der großen Lossprechungsfeier, wir tragen alle – voller Stolz – unseren gerahmten Jägerbrief, die Verkörperung dessen, worauf wir die letzten acht Monate hingearbeitet haben. Manch einer schaut sich seine Urkunde ungläubig an und fragt sich vielleicht “habe ich es wirklich geschafft?” Einige Dankesreden und gute Ratschläge von alteingesessenen Jägern, viele gute Gespräche über jagdliche Pläne, die Anfrage von Kathrin Depka “willst Du nicht einen Bericht über das hier schreiben”, viel Geselligkeit – und die Feier hier auf Gut Leidenhausen nimmt einen wunderbaren Verlauf.
Ja, wir haben es geschafft! Wir sind die Kölner Jägergeneration 2026!
Peter Schlemmer





